Impulsreferate

Keynote I – Der Film ist immer das schlechtere Buch – Crossmedialität als Missverständnis

Ein Gespenst geht um in der Medienbildung – es ist die Crossmedialität. Dieser Terminus aus der Medienökonomie, der die Mehrfachvermarktung von Inhalten über unterschiedliche mediale Kanäle meint, scheint das Zauberwort einer medienübergreifenden Medienbildung zu werden. Doch die Nische ist alt und besetzt: „alt“, weil wieder Argumente ausgegraben werden müssen, die eigentlich aus der Diskussion um werkgetreue Literaturverfilmung stammen, und „besetzt“, weil spätestens mit Henry Jenkins‘ Plädoyer für „media convergence“ das passive Publikum als aktive „Produtzer“ (Axel Bruns) entdeckt wurde. Die Zukunft der Medienbildung ist nicht crossmedial – das war sie immer schon –, sondern konvergent kompetent.

Prof. Dr. Dr. Matthias Rath, Jg. 1959, Studium der Pädagogik, Philosophie, Germanistik, Psychologie und Soziologie, Diplom in Pädagogik, Promotion und Habilitation in Philosophie, einige Jahre im Management eines internationalen Medienunternehmens, seit Dezember 1996 Professor für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, dort Leiter der Forschungsstelle Jugend – Medien – Bildung (in Kooperation mit der TU Dortmund) und Leiter der Forschungsgruppe Medienethik. Schwerpunkte: Medientheorie, Medienbildung, Medienforschung, Medienethik

 

 

Keynote II – Film ab! Film als Alleskönner im Unterricht?!

Filme gehen immer! Die mediale Landschaft ist so bunt, so abwechslungsreich und so verführerisch für den Unterricht. Zwischen oftmals unscheinbar wirkenden medialen Produkten und klassischen Filmproduktionen finden sich wahre Schätze. Der unkritische Blick und Umgang aber trägt zur Ausbildung eines passiven Rezipienten denn eines reflektierenden. McLuhan betont bereits 1964 die potentielle Wirkungsmacht von Medien, die Art und Weise von Weltwahrnehmungen bestimmen, prägen, überformen. Dementsprechend sollte neben curricularer Einbindung und geforderten Lernzusammenhang das Medium per se mehr Raum gewinnen, der Umgang damit alltäglicher, selbstverständlicher werden und mediale Produkte, ihre spezifische Narration und Konstruktion (filmisch-ästhetisch sowie (politisch-)intentional) mit Schülern hinterfragt werden. Der reflexive Blick und ein Verständnis für „visual literacy“ laufender Bilder sollte Medienbildung am jeweiligen medialen Produkt im Unterricht eröffnen.
Film ab – aber richtig!

Dr. phil. Heidi Martini, Jg 1977, Studium der Geschichte, Medienwissenschaft, Französisch, Promotion in Geschichte; Tätigkeit bei Filmfestivals sowie Lehre an Universität und Schule, Ausbildung angehender Lehrkräfte sowie Autorin. Schwerpunkte: Filmgeschichte und Medienforschung, Zeitgeschichte.